Wie wollen wir leben?

Das Buch «Wie wollen wir leben?» von Peter Bieri (Bieri, 2013)⁠, das ich zufälligerweise in einer Buchhandlung aufhob, da die Frage im Titel auch mich beschäftigt, ist eines der besten Bücher, die ich in der letzten Zeit entdeckt habe. In diesem Text versuche ich die Einsichten von Bieri in mir bekannte psychotherapeutische Konzepte und meine Erfahrungen und eigenen Einsichten einzuordnen. Seitenzahlen ohne die Angabe einer Quelle beziehen sich auf oben genanntes Buch.

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Flugangst als Lebensschule

Am 16. Juli 2013 plante ich einen therapeutischen Flug von Zürich nach Düsseldorf, um nach zweimaligem Vermeiden, wieder in ein Flugzeug einzusteigen. Der Flug sollte am 01.08.2013 stattfinden. Die Geschichte der Vorbereitungen ist unten dargestellt. Ich bin dann tatsächlich geflogen! Zum einen bin ich sehr stolz darauf, zum anderen bin ich auch sehr erleichtert; dies vor allem auch im Hinblick auf die noch anstehenden Flüge dieses Jahr.

Jeder hat seine Ängste, seine Achillesferse oder seine Herausforderungen. Bei mir gehört dazu die Flugphobie, der ich nun wieder einmal ein Schnippchen geschlagen habe. Während der Vorbereitung habe ich einiges gelernt. Aufgrund der Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen habe ich gelernt, besser darauf zu achten, wie es mir gerade geht, ob ich angespannt bin oder nicht. Aufgrund der gedanklichen Einengung auf den bevorstehenden Flug machte ich mir zudem weniger Gedanken darüber, wie ich und mein Verhalten bei anderen ankommen könnte. Ich handelte mehr aus mir heraus, aus meinen Überzeugungen, ohne dem Zwang, es anderen recht machen zu müssen. Es ist dabei nichts schlimmes passiert. Ganz im Gegenteil: Es fühlte sich gut an, nicht mit der Selbstwertregulation beschäftigt zu sein, sondern mit dem Bewältigen der Situation selbst.

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Viktor Frankl – … trotzdem Ja zum Leben sagen

Viktor Frankl, Begründer der Logotherapie, beeindruckt durch seine Authentizität, die sowohl im Film als auch im gleichnamigen Buch (s.u.) deutlich spürbar wird. In der modernen Psychotherapie – im Gegensatz zur Logotherapie – ist die Frage nach dem Sinn weitgehend ausgeklammert; man verweist auf andere Disziplinen, wie die Philosophie und die Theologie, die dafür zuständig seien.

Ich bin damit einverstanden, dass die Psychotherapie inhaltlich zur Frage des Sinns keine Stellung nehmen muss, ja vielleicht keine Stellung dazu nehmen darf. Dies schliesst jedoch nicht aus, dass die Frage nach dem Sinn Teil des psychotherapeutischen Prozesses sein soll. Gelingt die Sinnfindung, dann erscheinen die Symptome plötzlich in einem neuen Licht. «Angstexposition, um die Angst weg zu machen» (Symptomorientierung – klassische kognitive Verhaltenstherapie) versus «dem Sinn folgen und dabei Angstgefühle in Kauf nehmen» (d.h. Angstexposition als Nebenprodukt, wobei der Endpunkt nicht bei der Angstfreiheit, sondern bei einem sinnorientierten Leben liegt – Wert- bzw. Sinnorientierung – z.B. Akzeptanz- und Commitment-Therapie).

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Russ Harris – The Reality Slap (2011)

Russ Harris (http://www.actmindfully.com.au/) ist einer der Vertreter der aktuell in Mode gekommenen Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Wenn man sich nicht von der guruhaften Aura von Steve Hayes, einer der Gründerväter von ACT, abschrecken lässt, dann gibt es in ACT ganz viel zu entdecken – zumindest ging es mir so.

Interview mit Russ Harris

Im folgenden Interview bringt Russ Harris wichtige Ideen von ACT auf eine so einfache Art und Weise zum Ausdruck, dass selbst ich das Gefühl habe, sie zu verstehen. Daher denke ich, dass es vielleicht auch anderen so gehen könnte und sie aus eben diesen Ideen möglicherweise interessante Erkenntnisse  ziehen könnten.

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